Sonntag, 29. Dezember 2019

Tonträger der Stunde



Samstag, 28. Dezember 2019

Die Tage des Erdschweines sind gezählt...


Großartiges Jahr, nicht?
Erst, als ich ein Review über eine Band auf Alien Snatch las wurde mir klar, dass er/sie/es dieses Jahr nicht nur 20 wurde, sondern, dass mein erstes Konzert im Epplehaus eine Band auf diesem Label war und auch mein letztes. Alles in Allem komme ich auf 16 Alien Snatch Bands, die ihren Weg hierher fanden, womit die Existenz von Geschmack in dieser pittoresken Stadt bewießen wurde, was ich als unumstößlichen und objektiven Fakt betrachte. Als ungewolltes Kind einer großen Familie... Egal, die Stunde des Erdschweines hat geschlagen und Alien Snatch ballert am 31.12. den wohl geilsten Release des Jahres auf Vinyl in den Äther. Prost! 

                       

Freitag, 27. Dezember 2019

Unterschätzte Freizeitaktivitäten:

Nij Meh, Top-Fan  -  Immer da, wo´s brennt

Video (The Lemon Fog - Summer)

Acid & Eltern - Demo (self released)

Ganz Schland klingt scheiße! Ganz Schland? Ja!

Von wenigen Ausnahmen abgesehen. Ich würde wohl auf 20-30 Bands innerhalb der Ländergrenzen kommen, von denen ich wirklich behaupten kann, dass sie gut sind und dass ich mich nicht schämen muss, diese an irgendwelche völlig übersättigten Übernerds weiter zu empfehlen. Nein, das ist ein schlechter Anfang für ein Review...

Also nochmal, die kommen aus Köln. Würde sie in dem Brain Traps und Mort Clique - Umfeld verorten. Alles dran und drin, was man an einer guten Garagepunk-Band geil finden kann: Synthesizer, Fäkalhumor, Speed und auch die anderen Instrumente, wie z.B. Schlagzeug und Gitarre! Ob die Erde wohl implodieren würde, wenn sie sich mit Gym Tonic die Bühne teilen? Weiß man nicht, ist auch egal, weil die super sind - beide! Bandcamp

Freitag, 20. Dezember 2019

Song der Stunde (Coffee Saucers - You Know Better)

In It To Win It:

Irgendwie war doch alles mal bißchen cooler. Wenn ich mir überlege, ich könnte ungefähr doppelt so alt werden wie ich bin, zieht es mich direkt wieder ins Bett. Schlafen generell ist nicht zu unterschätzen, vor Allem träumen. Irgendwie fühlt sich im Traum alles echter an und dann wacht man irgendwann wieder auf, macht sich Kaffee, raucht Kette und wartet auf das nächste spannende Bandcamp-Happening: Verrat´s niemand, aber nur mit dem Skelett-Handschuh kannst du das Tor zum geheimen, verwunschenen Broccoli-Wald öffnen, trittst dort im Endkampf gegen den Eternal Champion an und sicherst dir damit ein schattiges Plätzchen in den Hainen Vallhalls. So oder so ähnlich. 

Dienstag, 17. Dezember 2019

Video (Bad Brains - Live @ Mensa Tübingen ´83)

Boink - Something Colorful For Sure Lp (Nadine Records)

Es gibt Dinge, die muss man wohl nachfühlen können, um sie zu verstehen. Z.B. warum Leute, welche die Bad Brains und Wipers vor Jahrzehnten in diese Stadt holten, fast alle Dead Moon Platten veröffentlichten, grießgrämig in einem lieblos geführten Plattenladen versauern und überteuerte White Stripes und Libertines - Platten an betuchte Studis verscherbeln. "Musikbezogene Misanthrophie" sollte eine anerkannte Diagnose werden. Nicht, dass ich einen solchen Plattenladen mein Eigen nennen könnte oder solche Bands zu ihren besten Zeiten sah, aber nachfühlen kann ich das schon. In meinem Laden würde heute diese Scheibe laufen, während ich die neue Helene Fischer an verzweifelte und gestresste Weihnachts-Freaks verkaufe.

So was bekommt man selten zu hören, wirklich. Einfach mal Shoegaze, PostPunk und ein bißchen Psych in den Topf rühren und schauen was passiert. Dazu ein Drummer, der Jaki Liebezeit wohl ziemlich genau auf die Finger geschaut hat. Ungewöhnliche Mischung, die gründlich daneben gehen kann, aber nicht in diesem Fall. Die verhallten Lyrics vertragen sich ungemein gut mit den verjazzten und bis ins Kleinste ausgeklügelten Klängen, die immer wieder mal laut krachend aufgebrochen werden, um die Platte nicht zu einer allzu gemütlichen Angelegenheit werden zu lassen. Klar, wenn man in den 80ern musikalisch sozialisiert wurde, kann man vielleicht eine ganze Bandbreite an Referenzen runterbeten, aber mir fällt auf Anhieb wenig Vergleichbares ein, wünsche mir das sofort auf meinen Plattenspieler. Bandcamp

Sonntag, 15. Dezember 2019

Velvet Bethany - S/T (Kafadan Kontak Records)

Dieses Artwork ist der Hammer. Fünf Songs die zuvor schon auf CD veröffentlicht wurden. Jetzt auf Tape oder 7". Ich will keine Diskussion über den Nutzen von Kassetten starten, dass diese billig zu produzieren sind usw., aber ich meine, wenn man bedenkt, dass eine Band Stunden über Stunden damit zubringt, ihre Lieder einzuprügeln, so ein abgefahrenes Artwork an den Start bringen und du bestellst dir das Tape in diesem Fall aus Istanbul, packst es in dein Tape-Deck, das dir für wenig Geld auf dem Flohmarkt nachgeworfen wurde und hast den Bandsalat, was man dann wohl nur mit einem Zitat aus "Fear And Loathing In Las Vegas" beantworten kann: "Hast du gerade gesehen, was Gott uns angetan hat?"... 
Bleibt also zu hoffen, dass es eine Vinyl-Version ist. Fünf schlichte, aber sehr schöne und knackige Garagepunk-Kracher - hier und da mit Surf-Einschüben gespickt und einer coolen Gesangsstimme. Das ganze Label ist einen Blick und Hörer wert, scheint auch die richtige Anlaufstelle für Freaks in Istanbul zu sein! Bandcamp 

oh Schreck...

wurde gerade ernsthaft von meinem Radio Wecker mit Bachs "Toccata und Fuge" geweckt. Das toppt fast, als ich mal im Epplehaus von einer Hitler Rede aus dem Schlaf gerissen wurde.

Freitag, 13. Dezember 2019

Morgen beim "Fest der Liebe" der Burschenschaft Distopia

Extra für diesen Abend haben wir die Sexismus-Beauftragte Krustianias eingeflogen, die uns mit ihrer Version eines Amateur-Pornos beglücken wird und nach der öffentlichkeitswirksamen Spendengala, wird es vegane Shrimpcocktails und Häppchen geben - zu den wundervollen Klängen verendender Yaks. 

Für das leibliche Wohl sorgt unser liebevoll domestiziertes Kochteam und auch sonst werden einige Attraktionen geboten sein, wie das Werbevideo zum Ausdruckstanz-Selbsthilfe-Kurs bei toxischer Maskulinität schon beweißen konnte. Für ein schönes Miteinander sind nur einige Regeln von Nöten, die sich eng an denen unserer Organisation orientieren:

1. Die Burschenschaft hat immer Recht
2. Wenn sie nicht Recht haben sollte, tritt 1tens in Kraft
3. Wursthaare kann man sich nicht aussuchen, sie suchen dich aus
4. Sexualisierte Gewalt gibt es nicht, die steht da nämlich drauf
5. Siehe Erstens
6. Psychische Erkankungen gibt es nicht, bzw. sollten in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext gesehen werden.
7. Gaslighting gibt es nicht, nur "Kommunikationsguerilla"
8. Nur, weil du dir das angeschaut hast, bist du noch lange nicht Nick Drake
9. Freiheit ist Sklaverei
10. Lebt denn der alte Holzmichel noch?

Marcel Wave - Discount Demos (self released)

Willkommen in der Stadt, in der die "Streitigkeiten" noch mit Narwal-Zähnen ausgefochten werden und der Out-Of-Bed-Look zum Politikum wurde. Was an Monty Python erinnert, ist eigentlich beides nicht mal so lustig. Nur Bilder von Kurt Corbyn konnten mir heute schon ein Lächeln abringen und ich muss dabei an "Last Days" denken, wie das grenzdebile Original -kryptische Dinge vor sich hinmurmelnd- durch einen verstörenden Film torkelt, der eigentlich einen wunderbaren Abgesang an die Musikwelt darstellt. 

Was aber hat das mit der Band zu tun? Eigentlich gar nichts, nur, dass sie zufällig aus London kommen, irgendwie zum Upset The Rhythm und Ex- Faux Discx Gewusel gehören und so klingen, als hätten sie sich zwischen den Regalen in einer Bücherei kennen und auf einer Punkshow schätzen gelernt. Dass britisches Englisch eine sehr lyrische Sprache ist, wird auch hier wieder bestens unter Beweiß gestellt in der Mischung aus PostPunk und Spoken Word, die auch schon bei Feature, Dry Cleaning und Sauna Youth (mit der sie sich rein zufällig ein Bandmitglied teilen) zündete. Für den durschnittlichen NietenPunk wohl zu arty farty, für den Kunststudi zu geradlinig, also genau richtig in dieser Dosierung. Eine Demo, die es verdient hätte, so auf eine 7" gepresst zu werden.
Bandcamp

Samstag, 7. Dezember 2019

The Prissteens - The Hound Lp (Girlsville)

Kauf mir alle Tonträger auf Girlsville!

Höchstwahrscheinlich gibt es eine Menge Plattenläden, die einen mit lebenslangem Hausverbot strafen würden, wenn man diese Band nicht kennt, zumal sie bereits seit den 90ern am Rummachen sind, ihre Mitglieder u.a. mit Purple Wizard, den Devil Dogs, Action Swingers usw. teilen. 

Verdammt, das erinnert mich sofort daran, wie wir um einen billigen Kompakt-Plattenspieler saßen und die Detroit Cobras und Ghetto Ways feierten wie die Affen den Monolithen. Hätte jemand diese Lp ausgepackt, bzw. die 7Inches, die hier in einer Art Best-Of zusammengestellt wurden, wäre die Party wohl aufs Derbste eskaliert. Dessen bin ich mir sicher! Auch heute hat die Band nicht die Wirkung auf mich verloren, was alleine schon diese Flashbacks belegen. 

Warum hat mir die noch niemand gezeigt? Warum dauerte es mehr als 20 Jahre eine solche Entdeckung zu machen, die alles in sich vereint, was grandiosen Garagerock ausmacht? Alleine "The Hound" oder "Oh Howard" sollten Blaupause sein für Leute, die dieses Genre bearbeiten wollen. "Teenage Dicks" hat mich fast meine Zigarette aushusten lassen und es ist auch sonst einfach kein schlechtes Lied auf dieser Compilation zu finden. 

Was Girlsville zu ihnen schreibt ist fast schon untertrieben: "THE PRISSTEENS made some of the finest girl group punk pop of the 90's, and there were quite a few bands to contend with mining similar territory. THE PRISSTEENS were better than them."
Bandcamp

Video (Neighbours Burning Neigbours - Lunar Hair Care)

Video (Cold Beat - Flat Earth)

Freitag, 6. Dezember 2019

High Vis - No Sense No Feeling Lp (Venn Records)

PostPunk alter Bauart, der nicht sonderlich überrascht, sich aber auch nicht anbiedert und seine Sogkraft (zumindest für mich) erst nach einiger Zeit entwickelt. Keine großen Gesten, kein übertriebener Pathos und ein Songwriting, das in diesem Bereich seinesgleichen sucht, womit schon das Wesentliche über die Lp gesagt wurde. 

Gerade in einem Online-Konsum Verhalten, das nur noch geringe Aufmerksamkeitsspannen voraussetzt, ist solche Musik ein herrlicher Konterpart. Schnell wird klar, dass man es hinter der Band mit absoluten Hi-Fi Besessenen zu tun hat. Ich sag das ungern, aber das ist die Sorte PostPunk, für welche die Anlage nicht gut genug sein kann. Ein raumfüllender Sound, der sofort Alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Perfekt. Bandcamp

Song der Stunde (Lost Sounds - Let´s Get Sick)

Tonträger der Stunde


Proto-Bandcamp


Montag, 2. Dezember 2019

Song der Stunde (Rubber Daddy - Rubber Family)

Thelma...

...halte ich für einen schönen, aber sehr bedrückenden Film, jenseits vom Hollywood-Bombast. Hier der Trailer