Dienstag, 20. August 2019

Flohmarkt bei den Schimpfis


Halte ich für eine schöne Beschreibung, um das Leben in Tübingen zusammenzufassen, nicht?
Klischee-Trottel aller Länder verneigt euch. Erinnert mich sofort an eine Kunstlehrerin, die immer "Fotis" statt "Fotos" sagte. Und sofort wollte ich mich in den "Mutilator" aus "Ghost World" verwandeln und mit einem überdimensionierten Hammer alles kurz und klein schlagen. Ja, kommt alle nach Tübingen und falls ihr nach Freundschaft sucht, werdet ihr "Szene" finden, ein wandelbares, gallertiges, schwabbeliges Etwas, das man nach Belieben für sich zuschneiden kann. Macht hat, wer sie am Besten mißbraucht. Schlüsselgewalt ist nicht nur so ein Wort. Was gestern die Toleranzgrenze war, ist heute Praxis. 

Letztlich kommt es doch immer darauf an, was man daraus macht, oder? Könnte auch Werbung für einen Baumarkt sein. Ja, warum nicht mal ein Konzert in einem Baumarkt, um die Dekoration müsste man sich keine Gedanken mehr machen. Neues Lieblingswort ist "Kommunikations-Guerilla", ein Arbeitsbereich in der Praxis, den man doch getrost denjenigen überlassen kann, die das Reden in repressiven Strukturen, in denen man das Denken lieber den Profis und Narzissten überlässt völlig verlernt haben. Ich glaube, ich habe so jemanden in der Psychiatrie kennengelernt. Immer wieder mal hörte er mit dem Billard-Spielen auf und starrte in die Lampe. Was er damit ausdrücken wollte, ist mir bis heute noch nicht klar. Vielleicht hat er auch ein göttliches Licht gesehen.

Ja, dazu muss man in Tübingen schon in die Klapse, um Billard spielen zu können, sonst ist das Angebot derart halt eher höherschwellig. Wie bei Alice im Takka Tukka Land. Wenn das LSD halt zu hoch dosiert wurde, dann werden die Schwellen ganz hoch und steil und die Treppe zieht sich ins unendliche und die SchattenGeister tanzen an der Wand die Tarantella.

Stadt der Luxusprobleme. Stadt der größten Lachnummer der BRD. Finde ich aber schon auch, warum sich gegenseitig aneinander abarbeiten, wenn es doch viel viel schlimmere Feinde gibt. Z.B. Boris Palmer, der große, böse, hirnamputierte Wolf. Selten habe ich so wenig gelacht, wie auf den Satire-Seiten, die ihn zum Gegenstand haben, was man in einem solchen Fall schon mal sagen können müssen darf. Aber dann kann man sich ja schon mal gegenseitig auf die Schultern klopfen. Dabei wird dieser Hampelmann doch von jeder Zeitung, in jeder Talkshow, von hier bis zum Hindukusch zerlegt.

Moment, ich muss kurz ein Foti von meinem Hirsebrei machen um das an meine Guerillero Freunde im Dschungel zu schicken. So, fertig. 

Wo waren wir stehen geblieben?

Bei schönen Worten. "Freundschaft" halte ich für ein schönes Wort, oder auch "Vertrauen", aber das sind all die Dinge, die man in einem so wunderbaren Kollektiv schon mal völlig vergessen kann. Es gibt sie wirklich, Menschen, die keine Freunde haben, sondern "Interessen", aber an diesem Punkt waren schon viele andere vor mir, an denen das Interesse einfach verloren ging, weil sie sich aus Bereichen zurückgezogen haben, die hier in diesem pittoresken Loch jeglicher Schönheit beraubt werden. Fast schon beneide ich die Leute, deren Verständnis der Welt in der Szene bei Titanic zusammengefasst werden könnte, in der "die einfachen, echten Menschen" ihren Volkstanz in der "dritten Klasse" aufführen und man die Revolution förmlich schon durch die Ritzen der Decks riechen kann. Diese, also die Revolution des "einfachen Mannes" kam übrigens schon, nur halt nicht so wie man sich das erhofft hatte. Aber -vorsicht Spoiler- am Ende kommen ALLE wie durch ein Wunder ums Leben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen