Freitag, 19. Juli 2019

Wie eine nie enden wollende Deutschlandwoche bei Mc Donalds


Musik ist doch das Werk des Teufels, oder? Vor Allem gute, vor Allem diejenige, die nicht dort entstand, wo der eigene Kontrollzwang noch die Überhand behalten kann. Letztlich rede ich hier hauptsächlich wohl auch zu Bands und ich denke, da sieht das Alles nochmal ganz anders aus. 

Als Band hast du deine paar Leute, mit denen du dich im Probraum triffst, mit denen du auf der Bühne stehst, im Auto sitzt, intimste Bekanntschaft oder Freundschaft pflegst. Die Leute mögen euch oder halt nicht, verlassen sich auf die Ästhetik, die ihr transportiert, wie ihr klingt, was sonst so dabei rüber kommt, textlich oder vielleicht auch auf einer politischen oder emanzipativen Ebene.

Ganz unten kommen die "Fans", Leute, die auf deine Shows gehen usw. Dazwischen werden diejenigen zerrieben, die z.B Konzerte oder Labelarbeit machen, die Bands durch die Gegend kutschieren usw.

Gerne würde ich sagen, "hey Leute, macht Konzerte, das ist mega geil!", ist es aber nicht, schon lange nicht mehr. Und warum? Weil man in der Musik leider wenig mehr erwarten kann als überall anders sonst. Irgendwelche "Werte" sind oft nur noch Aushängeschild, um sich zu verkaufen. Die "Antifascist Attitude" oft nur noch Selbstzweck unter dem Profilbildchen bei Bandcamp, um noch irgendwie Anschluss behalten zu können, reduziert darauf, keine Diskrimierungsformen widerzuspiegeln, um ungestreift durch den Abend im Jugendhaus zu kommen.

Ich bin mir ganz sicher, zwischen dem Touren, dem "Dayjob", der Zeit im Studio, den anderen Projekten usw. ist noch ganz viel Zeit für den Straßenkampf. Naja, ein zwei mal ist man vielleicht schon auf einer Demo mitgelaufen... Wie auch immer. Die Welt ist aber schon ein viel besserer Ort durch deine Band geworden.

Ich bin sicherlich nicht das Gute in Person, aber mich kotzt diese zunehmende Verrohung wirklich an. Warum sitze ich tagein, tagaus hier vor der Bildschirm, kann mich teilweiße kaum mehr rühren, habe kein Interesse mehr daran vor die Tür zu gehen usw. Sicherlich nicht, weil mir langsam die Kabel aus den Körperöffnungen wachsen und ich hier von der "Matrix" assimiliert werde, sondern weil mich die Realität in dieser Stadt zunehmend ankotzt, dieser allgegenwärtige "Profilierungszwang" das "Balzverhalten", das unnötige und super-lame Rumgecoole und vor Allem die schreckliche Konzertkultur, wenn man das noch so nennen kann.

Wer sind denn im Zweifelsfall die Buhmänner und -Frauen, die sich hierher verirren, um Shows zu spielen? Die guten Bands, diejenigen, die Dinge in eine Welt tranportieren, die mindestens so engstirnig ist, wie das ganze Land, in dem sie sich befindet. Und wenn du in deinem Laden nur noch Bands aus Schland spielen hast, kannst du dir sicher sein, dass die AfD in deinem Kopf längst gewonnen hat bzw. die Angst vor Allem, was irgendwie fremd ist und das letztlich auch in einer -durch das Internet- scheinbar globalisierten Welt.

Dass eine HardcorePunk-Szene da jemals dem "ganzen Rest" etwas vorraus hatte könnte falscher nicht sein und gerade da wo die Plattitüden am Lautesten raus gebrüllt werden, sollte man vielleicht am Ehesten noch nachfragen. Aber das ist vielleicht schon wieder hohe "Kader-Arbeit" oder "politische Bildung"... Mich langweilt das so abartig, wirklich! 

Politisches Konzertemachen?
Das Pendant dazu wäre wohl die Deutschland-Woche bei Mc-Donalds. Darf Frau z.B. noch in einer Band spielen, ohne sich gleich mit dem "Frau-Sein" und der politischen Ebene davon immer und überall auseinanderzusetzen zu müssen usw. ?? Darf ich überhaupt laut über so etwas nachdenken, als Typ?

Plötztlich zerrt`s aus allen Ecken und Enden an einem. Ansprüche werden laut, die man eigentlich nicht erfüllen will oder kann. In erster Linie will man mal ein Instrument spielen, die Verstärker aufdrehen, wie die "Stooges" klingen und sich im besten Fall auch noch genau die selben Freiheiten rausnehmen können. Wo könnten denn hier in dieser Stadt die Stooges in ihrer damaligen Inkarnation auftreten? In der Hipster-Studi-Kneipe, im alternativen Wohnprojekt, im Jugendhaus? Im Wildgehege? Nein, sie haben sich gefälligst zu ändern, den Ansprüchen einer deutschen (!) Linken genüge zu tun, um sich ihres Daseins innerhalb einer Szene sicher zu sein. Gähn!

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